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Vom Nebeneinander zum Miteinander

SOCIAL YOGA™ ist eine Praxis verkörperter Wahrnehmung im gemeinsamen Raum. „Social“ meint dabei nicht einen sozialen Zweck, sondern die Erfahrung, dass wir auf der Matte nicht isoliert sind – nicht nur nebeneinander, sondern miteinander verbunden.

Atem, Spannung, Aufmerksamkeit und innere Zustände verändern sich durch die Anwesenheit anderer.

Der Mehrwert liegt im schlichten Bemerken dieser Reaktionen. Wer wahrnimmt, wie Vergleich, Anpassung oder Rückzug entstehen – und ebenso Resonanz, Mitgehen, gemeinsamer Rhythmus oder getragene Ruhe – gewinnt einen kleinen, realen Handlungsspielraum.

Resonanz meint hier keinen Gleichklang oder Harmonie, sondern einen Beziehungsmodus, in dem wir berührt werden und darauf antworten können. Resonanz lässt sich nicht herstellen oder erzwingen, sondern nur ermöglichen.

So kannst du auf der Matte für Präsenz und ethische Orientierung im Alltag üben.

Wir leben in einer Zeit hoher Verdichtung: soziale Nähe bei gleichzeitiger innerer Distanz, ständige Kommunikation bei abnehmender Resonanz. Resonanz wird hier als Maß für gelingende Beziehung verstanden – nicht als Gefühl, sondern als Antwortfähigkeit in Beziehung. Viele innere Muster – Anpassung, Rückzug, Vergleich, Überforderung – entstehen nicht im Alleinsein, sondern im Miteinander.

SOCIAL YOGA™ reagiert auf diese Realität und schafft einen Erfahrungsraum, in dem Beziehung nicht erklärt, sondern erlebt wird – körperlich, gegenwärtig, still.

Es schließt damit eine Lücke zwischen individueller Praxis und gesellschaftlicher Wirklichkeit, indem Wahrnehmung im gemeinsamen Üben kultiviert wird.

Im gemeinsamen Üben werden oft Erfahrungen zugänglich, die im Alltag leicht übergangen werden. Zum Beispiel:

Gelebtes Selbstbild: Wie stimmig fühlt sich das an, was wir sagen, fühlen und tun – besonders im Kontakt mit anderen? Im gemeinsamen Raum wird spürbar, wo innere Haltung und äußeres Handeln übereinstimmen – und wo nicht.

Aufmerksamkeitsfokus: Wohin richtet sich unsere Energie, wenn andere da sind? Manche bemerken den Impuls zu vergleichen, sich zu kontrollieren oder zurückzuziehen. Andere erleben, wie Präsenz entsteht, wenn Wahrnehmung weiter wird.

Denk- und Handlungsmuster: Wie entstehen Sprache, Entscheidungen und Handlungen, sobald wir Teil eines gemeinsamen Feldes sind – gemeint ist ein geteilter Wahrnehmungsraum, nicht ein soziologischer Feldbegriff im Sinne von Konkurrenz oder Macht. Im Üben zeigt sich, welche Muster tragen – und welche uns begrenzen.

Diese Erfahrungen werden nicht erklärt oder analysiert. Sie zeigen sich im Erleben – und können wahrgenommen werden.

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Praxis verkörperte Wahrnehmung

Yoga wird etymologisch von yuj abgeleitet – verbinden, ausrichten, sammeln – und ist damit von Beginn an eine Praxis von Beziehung.

Vor diesem Hintergrund lässt sich SOCIAL YOGA™ verstehen als eine Praxis verkörperter Wahrnehmung im Miteinander. Im gemeinsamen Üben kann die Anwesenheit anderer zum Resonanzraum für die eigene Wahrnehmung werden. Resonanzraum meint hier einen Erfahrungsraum, in dem Berührbarkeit und Antwort möglich werden – ohne Garantie und ohne Steuerung.

Verkörperte Wahrnehmung im Miteinander bedeutet nicht, sich an anderen zu messen oder auszurichten, um „besser“ zu werden. Sie bedeutet, wahrzunehmen, wie wir im gemeinsamen Raum mitschwingen.

Im Krieger I. Du bemerkst, dass dein Bein anders steht als bei den anderen. Ein kurzer Impuls entsteht, dich zu korrigieren. Dann wird spürbar, wie viel Energie dieser Moment von Vergleich bindet. Du bleibst stehen. Der Atem findet wieder Raum.

Im Baum. Du wackelst. Neben dir steht jemand ruhig und stabil. Du spürst deine eigene Unruhe – und zugleich die Ruhe im Raum. Beides ist da. Dein Atem reagiert, ohne dass du etwas tun musst.

In der Vorbeuge. Ein paar Matten weiter entsteht bereits Bewegung. Dein Körper möchte folgen. Du nimmst diesen Zug wahr und bleibst noch einen Atemzug länger. Bewegung und Stillwerden existieren nebeneinander.

In der Armbalance. Eine Person hält die Krähe stabil, du kommst nicht hoch. Du bleibst in der Hocke. Hitze steigt auf, der Atem wird flacher. Gesehenwerden wird spürbar – ohne Kommentar, ohne Korrektur.

In einem vollen Raum. Die Matten liegen nah beieinander. In einer Drehung kommst du jemandem sehr nahe. Statt dich zurückzuziehen, nimmst du Wärme, Atem und Präsenz um dich herum wahr. Der Raum trägt mehr, als du erwartet hast.

Manchmal entsteht dabei auch Widerstand. Vielleicht zieht jemand vorne viel Aufmerksamkeit auf sich. Vielleicht merkst du Ärger, Vergleich oder den Impuls, dich innerlich zurückzuziehen. Auch das gehört zum Feld. Nicht als Störung, sondern als Teil dessen, was im gemeinsamen Üben sichtbar wird.

Neben Momenten von Vergleich oder Spannung entstehen ebenso Erfahrungen von Getragen-Sein: gemeinsames Atmen im Flow, ein geteiltes Tempo oder das Gefühl, vom Raum gehalten zu werden. SOCIAL YOGA™ lädt dazu ein, all das wahrzunehmen, ohne sofort reagieren zu müssen. Nicht um es aufzulösen – sondern um bei sich zu bleiben, während Unterschiedlichkeit da ist.

Wir wissen heute viel – und wir wissen jeden Tag mehr. Dennoch handeln wir im Alltag häufig entgegen diesem Wissen. Entscheidend ist die Qualität der Wahrnehmung im Moment des Handelns. Wahrnehmung verbindet äußere Reize mit einem inneren Bezugspunkt: dem, was sich stimmig und tragfähig anfühlt:

Dort, wo Wahrnehmung fehlt, entsteht eine Lücke zwischen Wissen und Handeln.

Dort wo Wahrnehmung ist, eröffnet sich Spielraum

Yoga kann zur Brücke werden: als Schulung von Wahrnehmung für das eigene Denken, Reagieren und Handeln – besonders im Kontakt mit anderen Menschen. Yoga ist nicht nur eine individuelle Praxis. Es ist ein Erfahrungsraum, in dem sich zeigt, wie wir in Beziehung sind – zu uns selbst, zu anderen und zur Welt.

In den Neurowissenschaften wird dieses Spüren innerer Körperzustände Interozeption genannt: das Wahrnehmen von Atem, Spannung, Weite, Enge, Unruhe oder Ruhe, noch bevor Entscheidungen getroffen oder Worte gefunden werden.

SOCIAL YOGA™ setzt genau hier an – und geht einen Schritt weiter.

Es richtet die Wahrnehmung nicht nur nach innen, sondern auch auf das, was sich durch andere verändert. Das eigene Erleben bleibt nicht gleich, wenn wir gemeinsam üben.

Atem, Spannung, Aufmerksamkeit und innere Zustände reagieren auf Nähe, Tempo, Präsenz und Bewegung im Raum. Interozeption umfasst dabei nicht nur Warnsignale wie Enge oder Unruhe, sondern ebenso Weite, Ruhe, Verbundenheit und energetische Klarheit.

Interozeption ist ein neurowissenschaftlicher Begriff und keine yogische Kategorie. Social Yoga™ bringt diese Perspektive dialogisch mit der Yogapraxis zusammen, ohne sie gleichzusetzen.

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Teil eines gemeinsamen Feldes sein

Die gemeinsame Yoga-Stunde bietet den erforderlichen, geschützten Raum, um die Wahrnehmung im Miteinander zu trainieren, da Yoga Stress senkt und damit erst reale soziale Dynamiken erfahrbar macht – beides ist neurowissenschaftlich gut belegt: Stress dämmt Interozeption.

Diese Form verkörperter Wahrnehmung ist eine grundlegende Voraussetzung für Orientierung und Verbundenheit, weil Verantwortung dort entsteht, wo Wirksamkeit im eigenen Erleben spürbar wird. Was im SOCIAL YOGA™ als „Energie im Raum“ erlebt wird, ist konkret erfahrbar: gemeinsamer Atemrhythmus, getragene Ruhe, Resonanz und Weite im Üben. Auch hier bezeichnet Resonanz keine Harmonie, sondern die erfahrbare Wechselwirkung von berührtwerden und antworten im gemeinsamen Raum.

  • die Yoga praktizieren und ihre Praxis bisher vor allem als individuelle Erfahrung kennengelernt haben und neugierig darauf sind, was sich verändert, wenn Üben im gemeinsamen Raum geschieht.
  • die regelmäßig in Gruppen praktizieren, diese Form des Übens schätzen und genauer erspüren möchten, warum sie ihnen guttut und was dabei jenseits von Technik und Methode wirksam wird.
  • die Yoga bislang gemieden haben, weil es ihnen wie ein Rückzug aus der Wirklichkeit erschien – zu still, zu abgeschlossen, zu sehr auf das Innere gerichtet.
  • die sich im Alltag unverbunden oder getrennt erleben, gesellschaftliche Spannungen oder Vereinsamung wahrnehmen und nach Orientierung im gemeinsamen Raum suchen.
  • die Vielfalt schätzen, ohne sich Gruppen, Rollen oder Zuschreibungen unterordnen zu wollen, und die weniger an Optimierung interessiert sind als an einem tragfähigen Miteinander.

SOCIAL YOGA™ ist kein fertiges System, sondern eine gewachsene Praxis, die aus Erfahrung heraus benannt wurde. Die Entdeckerin ist Ulla Fröhlich-Strauß, Gründerin von be yogi. SOCIAL YOGA™ lässt ich sowohl in offenen Klassen als auch in bewusst kleingehaltenen Gruppen integrieren.

In offenen All Level-Klassen mit wechselnden Teilnehmenden wird SOCIAL YOGA™ durch kleine, klare Impulse integriert; Die Aufmerksamkeit richtet sich darauf, das eigene Tempo wahrzunehmen, ohne sich anzugleichen, Raum einzunehmen, ohne Raum zu beanspruchen, und Unterschiede stehen zu lassen. Übergänge werden bewusst gestaltet, damit Wahrnehmung möglich wird – nicht als zusätzliche Aufgabe, sondern (optional) um eine soziale Wahrnehmungsebene erweitert.

In bewusst klein gehaltenen Gruppen kann SOCIAL YOGA™ vertieft werden. Längere Phasen von Stille, ein feineres Spüren von Nähe und Distanz sowie mehr Raum für das, was zwischen den Menschen entsteht, ermöglichen eine differenziertere Wahrnehmung des gemeinsamen Feldes. Auch hier gilt: Nichts wird analysiert oder kommentiert, Wahrnehmung genügt.

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Ethik als Erfahrung

SOCIAL YOGA™ geht von einer einfachen Beobachtung aus: Handeln entsteht aus Wahrnehmung.

Wenn wir bemerken, dass unser Tempo andere unter Druck setzt, dass unser Rückzug Distanz erzeugt, oder dass unsere Unruhe sich im Raum ausbreitet, wächst Verantwortung nicht als moralische Forderung, sondern als unmittelbare Erfahrung.

Ethik entsteht aus dem Spüren, dass unser Verhalten Wirkung hat – auf andere und auf das gemeinsame Feld. Im klassischen Yoga bilden Yamas und Niyamas den ethischen Orientierungsrahmen. SOCIAL YOGA™ ersetzt diese nicht, sondern versteht sich als Praxis, in der die Voraussetzungen erfahrbar werden, Ethik zu verkörpern.
Ethische Orientierung entsteht dabei nicht nur aus dem Spüren von Grenzen, sondern ebenso aus der Erfahrung, dass gemeinsamer Rhythmus, Vertrauen und Präsenz tragfähig sind.

SOCIAL YOGA™ versteht Ethik deshalb als Konsequenz verkörperter Wahrnehmung im Miteinander.
Nicht: Wie sollte ich mich verhalten?
Sondern: Was geschieht, wenn ich so bin, wie ich gerade bin – und was löst das im gemeinsamen Raum aus?

Wichtig zu wissen: Können darf sichtbar sein. Entscheidend ist, ob es aus Präsenz entsteht oder aus Vergleich. Zum Beispiel beim Handstand-Üben.

Situation A: Du gehst in den Handstand.

  • Dein Atem bleibt ruhig.
  • Du bist bei dir.
  • Du brauchst keinen Blick, keine Bestätigung.
  • Der Raum bleibt weit.

Das ist verkörperte Präsenz. Dein Können wirkt nicht trennend, sondern einfach da.

Situation B: Du gehst in den Handstand.

  • Der Atem wird härter.
  • Ein inneres „Schau her“ entsteht.
  • Vergleich liegt in der Luft.
  • Andere ziehen sich zusammen oder gehen schneller weiter.

Auch das ist wertvoll – weil es wahrnehmbar wird …

In der Tradition der Bhagavad Gita ist ein Yogi nicht jemand, der sich aus der Welt zurückzieht, sondern jemand, der „Geschick im Handeln“ (Yoga karmasu kaushalam) beweist. Ein Yogi zeichnet sich durch Samatvam aus – jene Gleichmut und innere Stabilität, die es erlaubt, inmitten der Herausforderungen klar zu bleiben.

Unsere Definition von SOCIAL YOGA™ knüpft direkt daran an:
Ein Yogi ist jemand, der übt: wahrnehmen, Muster erkennen, nicht sofort reagieren und Ethik verkörpern.

Das Ziel ist die „verkörperte Ethik“. Wenn wir lernen, unsere Impulse im geschützten Raum zu meistern, gewinnen wir die Freiheit, im Alltag Entscheidungen zu treffen, die dem Wohlergehen aller Lebewesen dienen (Lokasangraha).

SOCIAL YOGA™ richtet die Aufmerksamkeit darauf, wahrzunehmen, was gerade geschieht – während es geschieht. Dieses schlichte Bemerken kann gewohnte Selbsttäuschungen unterbrechen, automatische Reaktionsmuster sichtbar machen und einen kleinen, aber realen Handlungsspielraum eröffnen. Wahrnehmung zeigt sich dabei nicht nur mental, sondern auch als körperlich und energetisch erlebbare Regulation und Resonanz im gemeinsamen Feld. Im gemeinsamen Üben wird die Gruppe selbst zum Erfahrungsraum. Orientierung entsteht nicht durch Anleitung allein, sondern auch durch das, was zwischen den Menschen spürbar wird. SOCIAL YOGA™ hält diese Erfahrungen offen: ohne zu bewerten, zu instrumentalisieren oder vorschnell zu deuten. Sie dürfen stehen bleiben und vorbeiziehen.

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Das be yogi Mandala:
Vom Nebeneinander zum Miteinander

Ein Mandala ist eine Ordnungsform, die aus Beziehung entsteht. Vielfalt entfaltet sich durch Gleichwertigkeit, die Form ergibt sich aus dem Zusammenspiel aller, nicht aus einem vorgegebenen Zentrum. In vielen yogischen Traditionen sind Mandalas Übungsräume, um Wahrnehmung zu strukturieren, um Vielfalt in Beziehung zu bringen und Orientierung ohne Zentrum im Sinne von Kontrolle zu ermöglichen: Das entspricht dem, was Yoga auf der Matte tut: Der Körper, der Atem, die Aufmerksamkeit ordnen sich in der körperlichen Praxis, nicht durch Nachdenken.

Im be yogi Mandala für SOCIAL YOGA™ bilden acht Yogis einen Kreis. Die Zahl Acht steht im Yoga für Integration und Balance. Jede Figur ist eigenständig, keine dominiert, keine verschwindet. Erst im Zusammenspiel entsteht eine gemeinsame Struktur:

In der Mitte des Manadals für SOCIAL YOGA™ zeigt sich eine Form, die nicht geplant wurde: eine Sonnenblume. Sie entsteht emergent aus der Anordnung der Einzelnen.

So wie in einem Sonnenblumenfeld jede Pflanze auf Licht, Nähe und Bewegung reagiert und daraus ein Feld mit eigener Ordnung entsteht. Die Blume ist kein Zielpunkt, sondern Ausdruck von Beziehung.

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Aus dem Nebeneinander wird ein Miteinander, nicht durch Steuerung, sondern durch Präsenz. So versteht sich SOCIAL YOGA™ als Praxis verkörperter Wahrnehmung im gemeinsamen Raum. Orientierung, Verbundenheit und Wirksamkeit entstehen dort, wo Menschen Teil eines gemeinsamen Feldes werden.

So wird erfahrbar, wie sich innere Freiheit – verstanden als Unabhängigkeit von gewohnten inneren Mustern – und Glück – als Resonanz mit dem Wesentlichen – verbinden können. Daraus entsteht Erfüllung: kein individuelles Ziel, sondern ein Zustand innerer Kohärenz, aus dem heraus ethisches Handeln erfahrbar und möglich wird.

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Tradition & Einordnung von SOCIAL YOGA™: Zentraler Bezugsrahmen ist der achtgliedrige Pfad nach Patanjali.

Yoga wird dabei nicht als Rückzug aus der Welt verstanden, sondern als Fähigkeit, bewusster in ihr zu stehen. SOCIAL YOGA™ ist der Erfahrungsraum, in dem diese Ausrichtung im gemeinsamen Üben sichtbar wird. SOCIAL YOGA™ versteht sich nicht als neue Lehre, sondern als zeitgenössische Praxis innerhalb dieses Rahmens und der Samkhya-Philosophie.

Wir wahren die Integrität der Praxis und grenzen uns klar von Trends ab, die Yoga zur reinen Unterhaltung degradieren.

SOCIAL YOGA™ ist keine Zusatzqualifikation, sondern eine Haltung des Lehrens und SOCIAL YOGA™ ist nicht mit Yoga-Angeboten zu verwechseln, die unter dem Begriff „soziales Yoga“ soziale oder gemeinnützige Ziele verfolgen. Hier steht Yoga als Praxis verkörperter Wahrnehmung im gemeinsamen Raum im Mittelpunkt.

Was sagt Patanjali über verkörperte Wahrnehmnung?

SOCIAL YOGA™ & die Vrttis (Yoga Sutra I.5–I.11)

Patanjali beschreibt fünf grundlegende Bewegungen des Bewusstseins (Vrttis): richtige Wahrnehmung, Fehlannahme, Vorstellung, Erinnerung und Abwesenheit von Bewusstheit.

SOCIAL YOGA™ knüpft an die Beschreibung der Vrttis als Bewegungen des Bewusstseins an und richtet die Aufmerksamkeit auf die leiblichen und relationalen Bedingungen, unter denen diese Bewegungen im gemeinsamen Üben sichtbar werden. Vergleich, Mitgehen, Unruhe, Resonanz oder getragene Ruhe zeigen sich auf der Matte nicht als innere Phänomene allein, sondern im Kontakt mit anderen. Die Praxis besteht darin, diese Bewegungen wahrzunehmen – so, wie sie im gemeinsamen Raum entstehen.

Kennt Patanjali so etwas wie Interozeption?

In der yogischen Tradition wird diese Wirksamkeit mit „Prana“ beschrieben – der erfahrbaren Lebendigkeit, die sich im Atem und im Körper zeigt.

Patanjali beschreibt, dass durch die Regulierung des Atems der Schleier gelichtet wird, der Wahrnehmung verdeckt: „Tatah ksiyate prakasa-avaranam.“

Yoga Sutra II.52 beschreibt die Klärung der Wahrnehmung durch Atemregulation. Der heutige Begriff der Interozeption stammt aus den Neurowissenschaften und ist keine Kategorie des Yoga Sutra. Die Verbindung wird hier zeitgenössisch hergestellt, nicht textlich abgeleitet SOCIAL YOGA™: Stress ↓ → Schleier ↓ → Wahrnehmung ↑ → ethische Orientierung möglich.

Was sagt das Yoga Sutra über Ethik als Erfahrung?

Patanjali beschreibt Yoga als das Zur-Ruhe-Kommen der Bewegungen des Bewusstseins (Yoga Sutra I.2). SOCIAL YOGA™ macht erfahrbar, wie diese Bewegungen im Miteinander sichtbar werden – ohne den Anspruch, dies im klassischen Text so vorzufinden. Demnach entsteht Freiheit dort, wo nicht jede Regung sofort in Handlung übersetzt wird.

FAQ zu SOCIAL YOGA™

Viele Fragen, die sich im Üben ergeben – etwa zu Nähe, Abgrenzung, Vergleich, Verantwortung oder Gemeinschaft – zeigen sich nicht zuerst im Denken, sondern im Erleben. Sie lassen sich nicht abschließend beantworten, sondern klären sich im gemeinsamen Üben selbst.

Die folgenden Fragen und Antworten verstehen sich daher nicht als Theorie, sondern als sprachliche Annäherung an Erfahrungen, die im SOCIAL YOGA™ immer wieder auftauchen.

Was ist SOCIAL YOGA™ – und was unterscheidet es von einer klassischen Yoga-Praxis?

SOCIAL YOGA™ ist eine Yoga-Praxis, die den Fokus bewusst erweitert: Nicht nur wie es sich in mir anfühlt, sondern auch wie sich mein Erleben verändert, sobald andere Menschen im Raum sind. Der Unterschied liegt nicht in neuen Asanas oder einer „neuen Methode“, sondern in der Qualität der Wahrnehmung. SOCIAL YOGA™ richtet den Blick darauf, wie Haltung, Atem, Tempo, Nähe und Distanz im gemeinsamen Üben wirken. Dadurch wird sichtbar, dass Yoga nicht nur individuell reguliert, sondern immer auch das Miteinander prägt – ohne, dass man darüber sprechen oder etwas „lösen“ muss.

Widerspricht SOCIAL YOGA™ der Aufforderung, „auf der eigenen Matte zu bleiben“ und die Matte als Safe Space zu verstehen?

SOCIAL YOGA™ widerspricht dieser Haltung nicht, eher im Gegenteil: es vertieft und erweitert sie.
Die Einladung, auf der eigenen Matte zu bleiben, ist eine der wichtigsten Grundlagen moderner Yoga-Praxis. Sie schützt vor Vergleich, Überforderung und Grenzverletzung und stärkt Selbstverantwortung. Ohne diesen sicheren Raum wäre SOCIAL YOGA™ nicht möglich.
SOCIAL YOGA™ beginnt genau hier: auf der eigenen Matte. Der Unterschied liegt nicht im Ort, sondern in der Qualität der Wahrnehmung. Das heißt: Ich bleibe auf meiner Matte. | Ich greife nicht in den Raum anderer ein. | Ich beobachte niemanden. | Und dennoch bemerke ich, was in mir geschieht, weil andere da sind. Zum Beispiel: Ich stehe stabil in einer Haltung und spüre, dass mein Atem flacher wird, wenn die Gruppe schneller wird. Oder ich bemerke ein Gefühl von Enge, sobald jemand sehr nah neben mir praktiziert. Im SOCIAL YOGA™ wird das nicht korrigiert, nicht analysiert und nicht kommentiert – es wird wahrgenommen und stehen gelassen.

Gehört es auch zu SOCIAL YOGA™, die Passant:innen oder Menschen außerhalb des Studios wahrzunehmen?

SOCIAL YOGA™ endet nicht an der Studiotür.
Wenn wir Yoga mitten in der Stadt praktizieren – an einer lebendigen Straße, neben einem Ort, an dem obdachlose Menschen Schutz suchen –, dann ist diese Wirklichkeit Teil des Raumes, ob wir sie bewusst wahrnehmen oder nicht. SOCIAL YOGA™ lädt nicht dazu ein, diese Umgebung zu bewerten, zu analysieren oder „mitzunehmen“.
Es lädt dazu ein, zu bemerken, was ihre Präsenz in uns auslöst: Ziehe ich mich innerlich zurück? Spüre ich Unruhe, Mitgefühl, Abwehr, Scham, Hilflosigkeit? Verändert sich mein Atem, meine Spannung, meine Aufmerksamkeit?
All das ist keine Störung der Praxis. Es ist die Praxis. Wenn du also in einer Yoga-Stunde bemerkst, dass draußen Menschen vorbeigehen, leben, kämpfen, warten – und du spürst, was das in dir macht, ohne es zu bewerten oder zu verdrängen, dann ist das SOCIAL YOGA™.
… und wenn es ganz still ist – wie im Forsthaus?
SOCIAL YOGA™ hängt nicht davon ab, dass etwas passiert. Es hängt davon ab, wie wir wahrnehmen, während wir gemeinsam da sind. In der Stille werden oft andere Dinge spürbar: das eigene Bedürfnis nach Rückzug oder Nähe, Unsicherheit ohne äußere Orientierung, Ruhe, die trägt – oder Ruhe, die verunsichert, die feine Präsenz anderer Körper im Raum, auch ohne Bewegung. All das ist keine Abwesenheit von SOCIAL YOGA™. Es ist eine andere Qualität desselben Erfahrungsraums.

An wen richtet sich SOCIAL YOGA™? Auch an Menschen, die sich einsam, unverbunden fühlen oder gesellschaftliche Trennungen überwinden möchten?

SOCIAL YOGA™ richtet sich an alle, die Yoga üben – unabhängig von Level, Körperform oder Erfahrung – und die neugierig sind auf die soziale Dimension von Praxis. Besonders stimmig ist es für Menschen, die sich im Alltag oft getrennt, überfordert, einsam oder „nicht richtig“ fühlen, weil SOCIAL YOGA™ nicht über Zugehörigkeit als Konzept spricht, sondern Zugehörigkeit als Erfahrung im gemeinsamen Raum ermöglicht: durch Präsenz, Wahrnehmung und das Zulassen dessen, was sich zeigt. Es passt auch für Menschen, die Vielfalt lieben oder verkörpern und nicht in Cliquenlogik üben wollen, sondern in einem Feld, in dem Verschiedenheit nicht bewertet, sondern gehalten wird.
Mit „Feld“ ist hier ein geteilter Wahrnehmungs- und Erfahrungsraum gemeint, nicht ein soziologischer Feldbegriff im Sinne von Konkurrenz oder Macht.

Was ist das Besondere an SOCIAL YOGA™ im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Yoga-Formaten?

Das Besondere ist der Fokus auf den sozialen Körper: das gemeinsame Feld, das entsteht, wenn Menschen zusammen üben. Viele Formate bleiben bei individueller Fitness, Entspannung oder Achtsamkeit „für mich“. SOCIAL YOGA™ ergänzt: Was passiert in mir, sobald andere da sind – und wie kann ich das wahrnehmen, ohne mich zu korrigieren? Der Mehrwert ist nicht „mehr Leistung“, sondern mehr innere Freiheit: weniger Gefangensein in automatischen Mustern (Anspannung, Anpassung, Rückzug) und mehr Fähigkeit, im Hier und Jetzt präsent zu bleiben.
In diesem Sinn folgt SOCIAL YOGA™ der klassischen yogischen Einsicht, dass Freiheit dort beginnt, wo Gewohnheitsreaktionen zur Ruhe kommen.

Steht SOCIAL YOGA™ in Konkurrenz zu traditionellem Yoga oder stellt es klassische Yoga-Praxis infrage?

Nein. SOCIAL YOGA™ wertet traditionelle Praxis nicht ab und ersetzt sie nicht. Es macht lediglich sichtbar, was in Yoga ohnehin angelegt ist: Yoga als Übung von Wahrnehmung, Ethik und Beziehung. Traditionelles Yoga wird dadurch nicht „falsch“, sondern bekommt eine zusätzliche Dimension: Die Matte ist kein isolierter Ort, sondern ein Teil des Lebens – und Leben ist Beziehung.
SOCIAL YOGA™ verortet sich dabei ausdrücklich innerhalb des achtgliedrigen Pfades und der Samkhya-Philosophie.

Gibt es Wurzeln von SOCIAL YOGA™ in den yogischen Schriften (Yoga Sutra, Hatha Yoga Pradipika, Bhagavad Gita)?

SOCIAL YOGA™ lässt sich gut in klassische Grundideen einordnen:
Yoga Sutra: Yoga wird als Beruhigung/Zur-Ruhe-Kommen innerer Bewegungen beschrieben (YS 1.2, sinngemäß). SOCIAL YOGA™ untersucht, wie diese inneren Bewegungen im Miteinander auftauchen: z. B. Vergleich, Stress, Rückzug, Anpassung. Dies ist eine zeitgenössische Perspektive und keine textliche Ableitung aus dem Yoga Sutra.
Yoga Sutra: „Sthira sukham asanam“ (YS 2.46) – Stabilität und Leichtigkeit. SOCIAL YOGA™ macht erfahrbar, wie Stabilität/Leichtigkeit auch im gemeinsamen Raum möglich wird, selbst wenn Unruhe durch andere entsteht.
Bhagavad Gita: Handeln ohne Anhaftung an Ergebnisse (BG 2.47, sinngemäß). SOCIAL YOGA™ übt genau das im Kleinen: nicht sofort etwas aus dem Erleben machen zu müssen, nicht zu „performen“, nicht zu kontrollieren.
Hatha Yoga Pradipika: Der Körper als Tor zu Sammlung und Klarheit (sinngemäß). SOCIAL YOGA™ bleibt körperbasiert und nutzt den Körper als unmittelbaren Zugang, auch für soziale Resonanzen.
Wichtig: SOCIAL YOGA™ behauptet nicht, eine Schrift „neu zu interpretieren“, sondern nutzt deren Grundgedanken als Resonanzraum. Resonanzraum meint hier einen zeitgenössischen Deutungsrahmen, keinen Begriff aus den klassischen Texten.

Was bedeutet es konkret, dass im SOCIAL YOGA™ die Gruppe selbst zum Erfahrungsraum wird?

Es bedeutet: Die Gruppe ist nicht nur „Kulisse“, sondern Teil dessen, was wahrgenommen wird. Orientierung entsteht nicht nur durch Ansagen des Lehrenden, sondern auch durch das, was sich zwischen Menschen zeigt und spüren lässt: Nähe, Distanz, Tempo, Stille, Unruhe, Synchronität, Irritation, Zugehörigkeit. SOCIAL YOGA™ lädt ein, diese Erfahrungen nicht sofort zu bewerten („gut/schlecht“) oder zu korrigieren („weg damit“), sondern sie wahrzunehmen und stehen zu lassen. Dadurch wird die Praxis realitätsnäher: So wie wir im Alltag ständig in Feldern leben (Familie, Team, Stadt), üben wir hier im Miniaturformat – ohne Drama, ohne Analyse. „Felder“ sind hier als Wahrnehmungs- und Erfahrungsräume zu verstehen, nicht als soziologische Machtfelder.
In den yogischen Schriften wird beschrieben, dass Praṇa nicht nur individuell, sondern auch im gemeinsamen Raum wirkt. SOCIAL YOGA™ macht diese energetische Dimension des Miteinanders wahrnehmbar, ohne sie zu mystifizieren oder mit modernen Begriffen gleichzusetzen.

Bedeutet SOCIAL YOGA™, dass es keine Lehrenden oder keine Anleitung mehr gibt?

Lehrende bleiben wichtig. SOCIAL YOGA™ verschiebt nur die Idee von „Orientierung“: Anleitung ist eine Quelle – aber nicht die einzige. Ein:e Lehrer:in hält Raum, bietet Struktur, Sprache, Timing und Sicherheit. Gleichzeitig bleibt Platz dafür, dass Teilnehmende selbst wahrnehmen: Was passiert gerade in meinem Körper? Was passiert in mir im Kontakt mit anderen? SOCIAL YOGA™ ist daher keine anti-autoritäre Haltung, sondern eine Praxis, in der Anleitung und Selbstwahrnehmung miteinander kooperieren.

Darf ich bei SOCIAL YOGA™ schauen, wie mein Mattennachbar die Asana macht?

Im SOCIAL YOGA™ ist Wahrnehmen erlaubt – Beobachten, Bewerten oder Vergleichen sind jedoch nicht das Ziel. Wahrnehmen heißt hier nicht analysieren oder vergleichen, sondern bemerken, was im eigenen Körper geschieht, weil andere da sind. Dazu kann auch gehören, kurz zu sehen, wie jemand neben mir eine Haltung ausführt.

Widerspricht SOCIAL YOGA™ dem Guru-Prinzip im Yoga?

SOCIAL YOGA™ gibt darauf bewusst keine harte Entweder-oder-Antwort, weil „Guru“ sehr unterschiedlich verstanden wird: als Person, als Prinzip, als innere Führung, als Tradition. SOCIAL YOGA™ verbietet nichts und ersetzt niemanden. Es betont nur: Erkenntnis entsteht nicht nur durch „jemand sagt mir, wie es ist“, sondern auch durch unmittelbare Erfahrung – besonders dort, wo Beziehung ist. Wer im Guru-Prinzip eine hilfreiche Orientierung findet, kann SOCIAL YOGA™ trotzdem üben, weil es nicht gegen Tradition arbeitet, sondern Erfahrung vertieft.

Stellt SOCIAL YOGA™ kollektive Praxis über Svadhyaya (Selbststudium)?

Svadhyaya (Selbststudium) bleibt zentral. SOCIAL YOGA™ ist eher eine Erweiterung: Es zeigt, dass Selbststudium nicht nur im Alleinsein stattfindet. Viele innere Muster werden erst in Beziehung sichtbar: Anpassung, Rückzug, Vergleich, Dominanz, Scham, Bedürfnis nach Anerkennung. SOCIAL YOGA™ macht diese Muster wahrnehmbar, ohne sie zu psychologisieren. In diesem Sinne stärkt SOCIAL YOGA™ Svadhyaya, weil es den Lernraum vergrößert.

Welche Rolle spielt Ethik im SOCIAL YOGA™ – insbesondere für sehr erfahrene Praktizierende?

Ethik im SOCIAL YOGA™ entsteht aus Wahrnehmung, nicht aus Anpassung. Im klassischen Yoga bilden Yamas und Niyamas den ethischen Orientierungsrahmen. SOCIAL YOGA™ ersetzt diesen nicht, sondern macht die Verkörperung von Ethik im gemeinsamen Raum erfahrbar. Gerade für Menschen mit viel Erfahrung bedeutet Verantwortung nicht, sich zurückzunehmen, weniger sichtbar zu sein oder das eigene Können zu verstecken.
Wenn du als sehr fortgeschrittene:r Schüler:in merkst, dass dein Tempo, deine Präsenz oder dein Können bei anderen Reaktionen auslöst – etwa Vergleich, Ärger oder Rückzug –, bist du nicht dafür verantwortlich, diese Gefühle aufzulösen. Du musst dich weder entschuldigen noch dich kleiner machen.
Ethik zeigt sich hier darin, bewusst bei dir zu bleiben, während Unterschiedlichkeit im Raum existiert. Du spürst, was dein Tun bewirkt – und entscheidest frei, wie du weiter übst: ob du bleibst, die Qualität veränderst oder die Haltung verlässt. Keine dieser Möglichkeiten ist „richtiger“ als die andere.
Der ethische Kernsatz – Entscheidungen und Entwicklungen sind dann gut, wenn sie dem Wohlergehen aller Lebewesen dienen – meint deshalb nicht Harmonie um jeden Preis. Er meint einen Raum, in dem Können sichtbar sein darf, ohne zu dominieren, und in dem Spannung wahrgenommen werden kann, ohne sofort gelöst zu werden.
SOCIAL YOGA™ übt diese Haltung im Kleinen: nicht nur „mein Flow“, sondern ein gemeinsamer Raum, der Vielfalt trägt – ohne Überrollen und ohne Rückzug.
Im SOCIAL YOGA™ darfst du zeigen, was du kannst – entscheidend ist, dass du dabei wahrnimmst, was es im Raum bewirkt.

Wie erlebe ich SOCIAL YOGA™ in einer offenen All-Level-Vinyasa-Klasse?

Als Schüler:in erlebe ich SOCIAL YOGA™ nicht an einer besonderen Sequenz.
Die Haltungen können dieselben sein wie in jeder anderen Vinyasa-Klasse. Der Unterschied liegt darin, worauf meine Aufmerksamkeit gelenkt wird – und wofür im Raum Zeit ist.
In einer offenen Klasse mit sehr unterschiedlichen Menschen werden Dynamiken schnell spürbar. Ich merke zum Beispiel, dass ich mein Tempo verändere, weil andere schneller sind. Oder dass ich mich zurückhalte, weil neben mir jemand sehr kraftvoll übt. In einer Social-Yoga™-Klasse werden solche Momente nicht korrigiert, sondern bewusst gemacht.
Ich werde eingeladen, mein eigenes Tempo wahrzunehmen, statt automatisch mitzugehen. Ich darf mir Raum nehmen, ohne anderen Raum zu nehmen.
Unterschiede in Level, Tagesform und Ausdruck werden nicht nivelliert, sondern gehalten.
Zwischendurch gibt es kurze Pausen oder bewusste Übergänge. Nicht, um etwas zu erklären, sondern damit ich überhaupt bemerken kann, was gerade geschieht:
Was macht die Gruppe mit meinem Atem?
Werde ich enger oder weiter?
Handle ich aus mir heraus – oder aus Reaktion?
Der Unterschied zu einer Vinyasa-Klasse ohne diesen Fokus liegt nicht im „Mehr“, sondern im Dazwischen. Nicht nur die nächste Haltung zählt, sondern auch das Erleben von Nähe, Abstand, Tempo und Wechsel im gemeinsamen Flow.
SOCIAL YOGA™ fühlt sich deshalb nicht wie ein Zusatz oder eine Extra-Show an.
Es sind kleine, klare Einladungen, die das Miteinander mit in den Wahrnehmungsraum holen – während ganz normal geübt wird.

Ist SOCIAL YOGA™ auch dann sinnvoll, wenn innere Reaktionen wie Vergleich, Ärger oder Neid auftauchen?

Ja. Gerade dann ist es besonders ehrlich. SOCIAL YOGA™ verspricht nicht, dass solche Impulse verschwinden. Es lädt ein, sie zu bemerken, ohne daraus Identität zu machen. Zum Beispiel: „Ich merke Vergleich“ statt „Ich bin schlecht“. Dadurch wird innere Freiheit erfahrbar: Unabhängigkeit von gewohnten Mustern. Und genau daraus kann Glück als Resonanz mit dem Wesentlichen entstehen – nicht als Belohnung für „gut sein“, sondern als Ergebnis von Klarheit. Resonanz ist hier nicht als positives Gefühl gemeint, sondern als Berührbarkeit und Antwortfähigkeit.

Fördert SOCIAL YOGA™ Unterschiede?

Es geht um Vielfalt. SOCIAL YOGA™ macht Verschiedenheit nicht zum Problem, sondern zum Teil des Übungsfeldes: unterschiedliche Körper, Tempi, Grenzen, Ausdrucksformen, Hintergründe. Vielfalt wird nicht nivelliert („alle gleich“), aber auch nicht dramatisiert („wir sind so unterschiedlich“). Sie wird gehalten. Das reduziert Cliquenbildung, weil Zugehörigkeit nicht über Ähnlichkeit entsteht, sondern über Präsenz.

Warum lehnt SOCIAL YOGA™ Formate wie „Drunk Yoga“ oder stark eventisierte Yoga-Trends ab?

Weil sie Yoga von seinem Kern lösen: Bewusstheit, Ethik, Praxis. SOCIAL YOGA™ steht ausdrücklich für Respekt vor den Wurzeln. Wenn Yoga zur reinen Show, zur Betäubung oder zum „Gag“ wird, verliert es genau das, was es ausmacht: die Praxis, die den inneren Interpretationsrahmen lockert, statt ihn zu überdecken.

Was bedeutet es, dass SOCIAL YOGA™ eine Trademark ist?

SOCIAL YOGA™ ist eine geschützte Wortmarke. Die Anmeldung der Marke SOCIAL YOGA™ läuft aktuell, be yogi ist Urheberin und Anmelderin der Marke. SOCIAL YOGA™ bezeichnet eine klar umrissene Haltung und Erfahrungsweise von Yoga: die Verbindung von körperlicher Praxis mit bewusster Wahrnehmung im Miteinander, getragen von einem ethischen Anspruch, der über individuelle Selbsterfahrung hinausgeht. Die Marke soll sicherstellen, dass dieser Begriff nicht beliebig verwendet wird, nicht für widersprüchliche oder respektlose Formate genutzt wird und nicht losgelöst von seinen inhaltlichen und ethischen Grundlagen verwässert wird.
SOCIAL YOGA™ ist damit kein exklusives Angebot, sondern eine offen zugängliche Praxis, deren Name jedoch geschützt ist, um Orientierung, Integrität und Verständlichkeit zu wahren.

Kann jede Lehrerin / jeder Lehrer SOCIAL YOGA™ unterrichten?

Im Sinne der Praxis: Ja, wenn die Lehrperson bereit ist, SOCIAL YOGA™ nicht als „Technik“ zu behandeln, sondern als Qualität von Raumhalten. Das heißt konkret: weniger „ich korrigiere euch“, mehr „ich lade euch zur Wahrnehmung ein“; weniger Bewertung, mehr Beobachtung; weniger Performance, mehr Präsenz. SOCIAL YOGA™ ist keine Zusatzqualifikation, die man „hat“, sondern eine Weise zu unterrichten, die man übt.

Kann SOCIAL YOGA™ auch im Coaching, in Teams oder Organisationen Anwendung finden – oder gehört es ausschließlich auf die Matte?

Es gehört auf die Matte – und wirkt darüber hinaus. SOCIAL YOGA™ ist zunächst Yoga-Praxis. Gleichzeitig ist es anschlussfähig für Alltag und Gemeinschaft, weil es genau dort relevant ist: in Feldern, Beziehungen, Entscheidungen. Auch hier sind „Felder“ als geteilte Wahrnehmungs- und Erfahrungsräume zu verstehen. Wenn SOCIAL YOGA™ im Teamkontext auftaucht, dann nicht als „wir machen jetzt Therapie“, sondern als Praxis von Präsenz, Wahrnehmung, Tempo, Nähe/Distanz und bewusster Reaktion statt automatischem Muster. Das ist oft die Basis für verantwortliches Handeln – ohne es zu predigen.