Ich spiele gerne, das habe ich euch ja schon in meinem letzten Beitrag erzählt, mit dem Essen. Deswegen habe ich, inspiriert von dem Buch „30 Pflanzen pro Woche„, einen Selbstversuch gestartet. Mir gefällt die Idee, weil es eine weitere Art ist, wie man zu einem intuitiven und abwechslungsreichen Essen finden kann. Außerdem hilft die große Vielfalt an Ballaststoffen deinem Darm (mehr dazu bei der Tagesschau). Ich bin gespannt!
How-to: 30 Pflanzen pro Woche – so funktioniert’s
Benötigte Zeit: 7 Tage
Du willst mit dem Essen spielen und dabei dein Mikrobiom happy machen? Dann ist „30 Pflanzen pro Woche“ genau dein Ding! So funktioniert’s:
- Zähle deine „Plant Points“
Für jede gegessene pflanzliche Zutat gibt es ¼ bis 1 Punkt; dazu später mehr. Ganz simpel also – denn es kommt nicht darauf an, wie viel es ist (oder besser: du isst), sondern nur auf die verwendete Vielfalt.
- Das zählt als 1 Plant Point
🍌 Obst und 🥬 Gemüse
🌰 Nüsse & Samen – z. B. Mandeln oder Leinsamen
🫘 Hülsenfrüchte – z. B. Linsen, Kichererbsen, Bohnen
🌾 Getreideprodukte – z. B. Haferflocken, Quinoa, Vollkornreis
🍇 Fermentiertes, getrocknetes, eingelegtes – z. B. Sauerkraut, Trockenfrüchte
Kalt, warm, roh, gekocht, im Ganzen oder zerkleinert – alles zählt! Aber jede Zutat zählt nur einmal pro Woche, unabhängig davon, wie oft du sie isst. - Extra-Tipp: Sorten zählen separat
Jede Farbsorte zählt als eigener Punkt, so ergeben je eine grüne, gelbe & rote Paprika gleich 3 Punkte. Du isst verschiedene Apfelsorten? Ebenfalls mehrere Punkte.
- Kräuter & Gewürze nicht vergessen
🌿 Frische Kräuter (z. B. Petersilie, Schnittlauch): ½ Punkt
🌱Getrocknete Kräuter & Gewürze (z. B. Kurkuma, Zimt, Oregano): ¼ Punkt
→ Aber nur, wenn du sie großzügig verwendest – Streu-Deko zählt nicht. - Auch Getränke & Öle zählen
🍵 Diese Alltagshelden bringen dir je 1 Punkt, wenn sie regelmäßig verwendet werden: Grüner Tee, Schwarztee, Kakao, Kaffee, hochwertiges Olivenöl
Wie viel Ayurveda steckt in „30 Pflanzen pro Woche“?
Im Ayurveda bezeichnen wir einige Lebensmittel als „Rasayanas“. Das sind Nahrungsmittel, die deine Lebensenergie stärken, deine Zellen regenerieren und dich von innen heraus nähren. Viele davon stehen in der regionalen und saisonalen ayurvedischen Küche sowieso auf dem Plan, und ganz nebenbei bringen sie dir natürlich auch jede Menge Plant Points ein. Hier eine kleine Auswahl:
🍌 Reife Bananen & Mangos, Amla (indische Stachelbeere), Datteln, Kokosnuss
🥬 Kürbis, Zucchini, Blattgemüse, Ingwer
🌰 Mandeln, Walnüsse, Sesam
🫘 Mungbohnen
🌾 Reis (vor allem roter oder schwarzer Reis), Gerste
🍇 Rosinen
🌿 Basilikum
🌱 Ashwagandha, Kurkuma, Safran
🍵 grüner Tee (in kleinen Mengen, hochwertig)
Zu den beliebtesten und vielleicht auch bekanntesten Rasayanas gehören außerdem auch Honig, (frische) Milch und Ghee. In Bezug auf unsere Plant Points nützen uns diese drei allerdings nichts. Wenn du Rasayanas regelmäßig verwendest, versorgst du deinen Körper nicht nur mit Plant Points – sondern auch mit dem, was Ayurveda als Ojas bezeichnet: der Essenz deiner Lebenskraft.
Ayurveda-Beratung in Karlsruhe
In diesem Beitrag gibt dir Lifestyle- und Ernährungsberaterin Laura Strauß Tipps aus dem Ayurveda. Du kannst auch eine persönliche Beratung basierend auf deinem Dosha mit ihr buchen. Das Erstgespräch ist gratis.
„30 Pflanzen pro Woche“ – mein Selbstversuch
Fangen wir mit den Hauptzutaten an. Das habe ich in der letzten Woche gegessen, was in meine Plant Points einzahlt. Vollkornbrötchen vom Bäcker, Ramen-Nudeln, Soja-Joghurt oder Tofu gehören nicht dazu (das ist schon zu weit verarbeitet), wundert euch also nicht, dass in dieser Liste einiges fehlt:
🍌 Obst: Apfel, Banane, Heidelbeeren
🥬 Gemüse: Blumenkohl, Brokkoli, Chinakohl, Eisbergsalat, Fenchel, Gelbe Paprika, Grüne Bohnen (TK), Grüne Paprika, Karotten, Pak Choi, Porree, Radieschen, Rote Paprika, Schwarzwurzeln (TK), Spinat (TK), Stangensellerie, Tomaten, Zucchini, Zuckerschoten (TK)
🌾 Getreideprodukte: Haferflocken, Quinoa, Reis
Insgesamt sind das also schon mal 24 Plant Points. Gar nicht so schlecht!
Zusätzlich verwende ich diverse Gewürze, 🌿 frische und 🌱 getrocknete Kräuter. Aber ich habe das nicht so genau mitgeschrieben, deswegen habe ich jetzt im Nachhinein durch meine Gewürzschublade geschaut und die Dinge gezählt, die regelmäßig in meinen Töpfen und Pfannen landen. Insgesamt komme ich auf 24 Zutaten und zur Vereinfachung geben wir jeder einen ¼ Plant Point (= 6 Plant Points). Außerdem konsumiere jeden Tag diese sechs „Pflanzen“: 🍵 Kaffee, Olivenöl, 🌰 Mandeln, Cashews, 🫘 getrocknete schwarze Sojabohnen, 🍇 Rosinen.
Ich komme also auf 35 Plant Points. Wow! 😇 Ich habe während der Woche meine Punkte nicht gezählt – erst jetzt am Ende. Das heißt, bei mir klappt es inzwischen intuitiv. Besonders hilfreich war die große Gewürzvielfalt, die ich durch die ayurvedische Küche kennen und lieben gelernt habe. Auch das, was ich normalerweise als „Laster“ bezeichnen würde, hat mich gerettet: Knabber-Nüsschen und Kaffee! Zudem ernähre ich mich seit Jahren schon vegetarisch – da ist das mit dem Nutzen vieler Gemüsesorten schon geübt. Und zuletzt: Im Sommer ist das viel einfacher als im Winter. Vor allem, wenn man ausschließlich lokale und saisonale Lebensmittel nutzen möchte.
Ein etwas kritischer Blick auf die „30 Pflanzen pro Woche“-Challenge
Bitte sieh das Ganze nicht als Challenge, wie sie auf TikTok und Instagram gehypt wird – sondern als eine Einladung, mit dem Essen zu spielen. Neues auszuprobieren. Dein Geschmacksspektrum zu erweitern. Essen sollte niemals eine „Challenge“ sein, kein Wettbewerb und kein Kampf. Beim Essen geht es nicht um das (zwanghafte) Erreichen von einer bestimmten Zahl – weder von Plant Points, noch Kalorien! Du bist nicht schlecht, wenn du „nur“ 22 Plant Points hast. Und du bist kein besserer Mensch, wenn es 40 sind. Jeder Punkt ist gut – und dieses Spiel ist eine Einladung zu mehr Freude beim Einkaufen, Kochen und Essen.
Sieh „30 Pflanzen pro Woche“ einfach als eine von vielen Möglichkeiten, wie du zu einem achtsameren und liebevolleren Umgang mit deinem Essen finden kannst – genauso wie das Kochen nach Regenbogenfarben oder das Integrieren aller ayurvedischen Geschmacksrichtungen. Am Ende geht’s darum, dass du (wieder) selbst entscheiden kannst, was dir guttut – und was dein Körper wirklich braucht, um gesund zu sein.
