„Hier kommt man her, wenn man einfach Yoga machen möchte, ohne Schnickschnack.“ Dieser Satz einer langjährigen Mattennachbarin begleitete uns durch unseren 3. Geburtstag. Er trifft genau den Kern dessen, was wir in den letzten drei Jahren bei be yogi in Karlsruhe gemeinsam aufgebaut haben: Einen Raum für echte Praxis, jenseits von Leistungsdruck und Selbstdarstellung.
Warum „be yogi“, wenn man doch „niemand“ sein will?
Es mag wie ein Widerspruch klingen: Wir sprechen oft davon, den Ballast des Egos abzuwerfen und einfach mal „niemand“ zu sein – keine Rolle zu spielen, keinen Erfolg vorzuweisen, keine Vergleiche. Warum also ein Name wie be yogi?
Die Antwort liegt in der Praxis des „Entwerdens“: Ein Yogi zu sein bedeutet nicht, eine neue, besonders spirituelle Identität anzunehmen, es ist vielmehr der Prozess, die Schichten des Egos aktiv abzustreifen und uns zu erinnern, wer wir wirklich sind: ein freies Bewusstsein oder einfach „liebendes Gewahrsein“.
Der Übergang vom „Jemand-Sein“ hin zur „Niemand-Haftigkeit“ ist dabei wie das Gewöhnen an ein sehr heißes Bad: Es braucht Zeit, Stille und die Bereitschaft, das Ego als das zu sehen, was es ist – ein notwendiges Steuerrad für die materielle Welt, aber nicht unsere wahre Identität. Wir lernen, uns nicht mehr mit dem Lärm unserer Gedanken zu verwechseln, sondern mit dem „stillen Zeugen“ in uns, jener weiten Seele, die alles liebevoll betrachtet. In dieser „Niemand-Besonderheit“ leuchtet unsere wahre Natur ungehindert hervor.
„be yogi“ ist kein (weiterer) Titel, den man erwirbt, sondern die Einladung, sich im Hier und Jetzt an das zu erinnern, was wir hinter all unseren sozialen Masken bereits sind.
Unsere Wurzeln: Eine Lineage ohne Hierarchie
Dieses Verständnis von Eigenverantwortung prägt auch unsere Lineage. Wir verstehen darunter keine persönliche Guru-Schüler-Kette. Unsere Ausbildung versteht sich nicht als Weitergabe einer einzelnen Meisterlinie, sondern als bewusste Auseinandersetzung mit den klassischen Quellen des Yoga und ihrer Anwendung im heutigen Kontext.
Wir stehen fest in der textbasierten Tradition der Upanishaden, der Bhagavad Gita, des Yoga Sutra des Patanjali und der Hatha Yoga Pradipika. Wir arbeiten bewusst ohne Guru-Struktur. Verantwortung entsteht hier nicht durch Hierarchie, sondern durch die eigene Praxis, Reflexion und die ethische Orientierung an den Yamas und Niyamas. Im Zentrum steht die Entwicklung von Viveka – der Fähigkeit zur klaren Unterscheidung zwischen unserem Bewusstsein und seinen wechselnden Inhalten. Yoga wird so zu einem Weg wachsender innerer Unabhängigkeit, aus der verantwortliches Handeln entsteht.
Social Yoga: Gemeinsam auf dem Weg
Yoga bei be yogi ist keine isolierte Innenpraxis. Wir nennen unseren didaktischen Ansatz Social Yoga. Wir verstehen Yoga als verkörperte Wahrnehmung im gemeinsamen Raum, in dem die Gruppe zum Resonanzfeld wird.
Spiritualität zeigt sich nicht nur in der Stille „in mir“, sondern auch darin, wie wir miteinander umgehen, uns wahrnehmen und aufeinander reagieren. Beim gemeinsamen Üben werden Interaktionsmuster wie Mitgefühl, Vergleich oder Anpassung sichtbar – sie sind für uns kein Störfaktor oder „Schnickschnack“, sondern das eigentliche Material unserer Praxis. So wird die Ethik des Yoga im Miteinander unmittelbar erfahrbar.
Momente des Teilens
Unser Geburtstag war geprägt von diesem Miteinander. Nach einer unvergesslichen Outdoor-Stunde – als plötzlich die Sonne (kurz) zuschaute, war es schön zu sehen, wie die Gemeinschaft den Raum füllte. Der Abend klang schließlich mit gemeinsamen Mantras aus, die uns halfen, die Worte hinter uns zu lassen und das Herz zu öffnen. Danke, dass ihr Teil dieses Weges seid. Wir begleiten uns letztlich alle nur gegenseitig nach Hause.
Be yogi. Be here now.


