Über die Kraft des Lächelns

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„Tasmad yogi bhavarjuna.“ – „Darum sei ein Yogi, Arjuna.“

Bhagavad Gita, Kapitel 6, Vers 46

In dieser Aufforderung Krishnas an Arjuna aus dem sechsten Kapitel der Bhagavad Gita liegt für mich etwas sehr Einfaches und zugleich Umfassendes: Yoga nicht nur zu praktizieren oder darüber zu sprechen, sondern es als Haltung ins eigene Leben zu nehmen. Und ja, der Vers hat unserem Studio seinen Namen geschenkt. Auch unser Sankalpa „Don’t worry – be yogi“ findet seinen Ursprung in der Bhagavad Gita und diese Geschichte passt zum Tag des Lächelns am 2. Oktober besonders gut. Es ist diese Szene in der Gita, die mich immer wieder berührt:

Arjuna steht auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra und gerät in einen tiefen Konflikt. Vor ihm stehen Menschen, mit denen ihn Familie, Freundschaft und gemeinsame Geschichte verbinden. Was zuvor wie eine klare Aufgabe erschien, verliert plötzlich jede Eindeutigkeit. Arjuna zweifelt an seinem Handeln und an den Folgen, die daraus entstehen, und bittet Krishna schließlich um Rat. An diesem Punkt beschreibt die Gita Krishna mit den Worten „prahasann iva“, also „gleichsam lächelnd“. Erst danach beginnt das lange Gespräch, das den Kern der Bhagavad Gita bildet.

Es beginnt mit einem Lächeln

Mich interessiert an dieser Szene weniger die Frage, warum Krishna lächelt, als der Platz, den dieses Lächeln im Text einnimmt. Es erscheint nicht am Ende, nachdem sich Arjunas Zweifel aufgelöst haben, sondern am Anfang. Die Situation bleibt ernst, und Krishna nimmt Arjunas Fragen ernst. In den folgenden Kapiteln sprechen die beiden über Handeln und Verantwortung, Erkenntnis und Meditation, Hingabe, das Selbst und darüber, was Yoga bedeutet. Das Lächeln ersetzt dieses Gespräch nicht, sondern steht davor.

Aus dieser Verbindung entstand unser „Don’t worry – be yogi“. Natürlich hört man darin auch Bobby McFerrins „Don’t Worry, Be Happy“, und dieses Augenzwinkern gehört dazu. Für mich steckt der Unterschied trotzdem im letzten Wort. Bei uns heißt es nicht be happy, sondern be yogi. Es geht nicht darum, sich gute Laune vorzunehmen oder Sorgen klein zu reden, sondern um die Haltung, mit der wir den Dingen begegnen.

Von den vier Schriften, mit denen wir bei be yogi arbeiten, inspiriert mich die Bhagavad Gita besonders, weil sie ihre Fragen nicht in einer idealen Welt stellt. Ihr Ausgangspunkt ist ein Mensch, der nicht weiß, wie er handeln soll. Gerade dadurch wirkt sie für mich bis heute nah am Leben. Zweifel, Unsicherheit und widersprüchliche Gefühle stehen der Beschäftigung mit Yoga nicht im Weg; sie bilden vielmehr den Ausgangspunkt des Gesprächs.

Freude gehört auch zum Yoga

Wenn wir über Yoga sprechen, geht es oft um Konzentration, Disziplin, Meditation, Ethik oder Selbsterkenntnis. Auch in der körperlichen Praxis arbeiten wir mit Aufmerksamkeit, Ausdauer und manchmal mit ziemlich viel Ernsthaftigkeit. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass Freude ebenfalls ihren Platz hat.

Im Yoga Sutra nennt Patanjali in Sutra 1.33 unter anderem Mudita, die Mitfreude. Gemeint ist damit nicht einfach ein freundliches Gesicht und auch nicht das Lächeln selbst, sondern die Fähigkeit, sich am Guten und am Glück anderer Menschen zu freuen. Gerade dieser Gedanke gefällt mir, weil er etwas sehr Alltägliches berührt. Wir vergleichen uns schnell mit anderen und beziehen das, was ihnen gelingt oder Freude macht, ebenso schnell auf uns selbst. Mudita richtet die Aufmerksamkeit stattdessen auf die Freude des anderen.

Ein Lächeln kann dabei ein Ausdruck von Mitfreude sein, ohne dass man daraus mehr machen muss. Wir erkennen an einem Gesicht, ob jemand Anteil nimmt, sich ehrlich mitfreut und den Moment mit uns teilt. Solche kleinen Begegnungen gehören für mich genauso zum Leben wie die großen Fragen, mit denen sich die Yoga-Philosophie beschäftigt. Auch im Unterricht erlebe ich immer wieder, dass Ernsthaftigkeit und Freude gut nebeneinander bestehen. Wir können konzentriert üben und trotzdem lachen, wenn rechts und links durcheinandergeraten oder eine Balance heute einfach nicht gelingen will. Wir können uns mit anspruchsvollen Inhalten beschäftigen und trotzdem Freude an der Praxis haben. Beides widerspricht sich nicht.

Was mich am Lächeln interessiert

Rund um das Lächeln finden sich viele Aussagen darüber, was es angeblich im Körper oder in der Psyche bewirkt. Für mich braucht es diese Versprechen nicht. Ein Lächeln ist auch ohne eine solche Aufladung interessant, weil es zu unserer Kommunikation gehört und sehr unterschiedliche Dinge ausdrücken kann. Es gibt das Lächeln zur Begrüßung, das breite Grinsen, wenn uns etwas wirklich freut, das kurze Lächeln zwischen zwei Menschen, die sich verstehen, und natürlich auch das höfliche oder aufgesetzte Lächeln. Nicht jedes Lächeln erzählt dieselbe Geschichte, und nicht jedes entsteht aus Freude.

Gerade deshalb mag ich die Szene mit Krishna. Sie macht aus dem Lächeln keine Methode und auch kein Symbol für eine Welt, in der alles gut ist. Arjunas Konflikt bleibt bestehen, während Krishna ihm lächelnd begegnet und anschließend mit ihm spricht. Das Lächeln nimmt der Situation nichts von ihrem Gewicht, aber es steht neben ihr. Im Alltag erleben wir solche Gleichzeitigkeit ständig. Ein schwieriger Tag kann einen schönen Moment enthalten, und ein ernstes Gespräch kann trotzdem von einem Lachen unterbrochen werden. Wir können uns mit etwas beschäftigen, das uns belastet, und uns gleichzeitig über einen Menschen, eine Begegnung oder eine kleine Beobachtung freuen. Das eine hebt das andere nicht auf.

Genau darin liegt für mich die Verbindung zum Tag des Lächelns. Er muss kein Anlass für eine neue Übung oder eine weitere Routine sein. Es reicht, das Lächeln als etwas wahrzunehmen, das zu unserem Miteinander gehört und manchmal ganz selbstverständlich auftaucht.

Unser „Don’t worry – be yogi“ erinnert mich deshalb nicht daran, Sorgen zu verdrängen. Es erinnert mich eher an die Szene, aus der der Satz für uns entstanden ist: Arjuna hat Fragen, Krishna hört zu, und bevor das lange Gespräch beginnt, lächelt er. Damit verbindet sich für mich bis heute der Name be yogi. Yoga beginnt nicht erst, wenn alles ruhig und geklärt ist, und es endet nicht mit der letzten Asana einer Stunde. Es gehört genauso in die unübersichtlichen, ernsten und manchmal auch komischen Momente des Lebens – darum: sei ein Yogi.

Avatar von Ulla Fröhlich-Strauß

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