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Home > Blog > Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht besiegt
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5. April 2026

· Updatet:

5. April 2026

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Ulla Fröhlich-Strauß

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht besiegt

Dein Oster-Impuls 2026 von be yogi

Während in Karlsruhe die ersten Frühlingsblumen blühen, richtet sich der Blick vieler Menschen nach Rom. In der Stille der Karwoche, in der Symbole der Hingabe, der Verwundbarkeit und des Mitgefühls im Zentrum stehen, erleben wir gleichzeitig eine Welt, in der oft eine andere Dynamik sichtbar wird: die „Liebe zur Macht“. Ideologien erstarken, Konflikte eskalieren, und allzu leicht droht das Menschliche hinter harten Fronten zu verschwinden.

Gerade in solchen Zeiten stellt sich für uns als Yogis eine entscheidende Frage: Wie können wir unsere Praxis und die alten Weisheitstexte so verstehen, dass sie nicht zur Verhärtung beitragen, sondern zu mehr Bewusstheit, Mitgefühl und innerer Klarheit?

Die Bhagavadgita: Arjunas Kampf & Krishnas Lehre

Dabei richtet sich der Blick auch auf die Bhagavadgita, einen der zentralen Texte des Yoga, mit dem wir uns auch in unserer aktuellen Yogalehrer-Ausbildung beschäftigen. Sie beginnt auf einem Schlachtfeld – und damit an einem Ort, der zunächst irritiert. Denn wir erwarten von einem spirituellen Text vielleicht eher Rückzug, Frieden oder Stille. Stattdessen begegnen wir einem Moment tiefster menschlicher Krise.

Arjuna steht zwischen zwei Heeren. Doch er sieht dort nicht einfach Gegner. Er erkennt in den Reihen der anderen Seite seine Verwandten, Lehrer und Freunde. In diesem Moment bricht etwas in ihm zusammen. Er spürt, dass sein Handeln Leid und Zerstörung bringen wird, und er weigert sich zu kämpfen. Seine bisherigen Orientierungspunkte – Pflicht, Ehre, Rollenbilder – tragen nicht mehr.

Dein unsterbliches Innerstes

Genau hier beginnt die eigentliche Bewegung der Bhagavadgita. Krishna begegnet Arjuna nicht mit einem einfachen Befehl, sondern mit einer umfassenden Lehre. Er spricht von der Unsterblichkeit des Atman, des innersten Wesenskerns, der jenseits von Geburt und Tod besteht. Der Körper vergeht, doch das Wesen bleibt. Was uns als Anfang und Ende erscheint, ist Teil eines größeren Zusammenhangs.

Diese Perspektive ist zunächst tröstend. Sie will Angst nehmen und den Blick weiten. Und doch liegt in ihr auch eine Spannung, die gerade für uns moderne Menschen spürbar ist. Denn wenn diese Lehre aus ihrem Zusammenhang gelöst wird, kann sie missverstanden werden.

Innere und äußere Konflikte

Wenn nur der Gedanke stehen bleibt, dass der Mensch im Kern unzerstörbar ist und der Körper lediglich eine „Hülle“, dann kann daraus eine gefährliche Verkürzung entstehen. Geschichte zeigt, dass genau solche Gedanken ideologisch missbraucht wurden. Wo Begriffe wie Pflicht oder Handeln ohne Anhaftung so gedeutet werden, dass sie Mitgefühl und persönliche Verantwortung aushebeln, entsteht eine Form von Entmenschlichung. Der andere wird nicht mehr als Person wahrgenommen, sondern als Funktion, als Rolle, als Gegenüber ohne wirkliche Tiefe.

Doch die Bhagavadgita selbst weist in eine andere Richtung. Das Schlachtfeld von Kurukshetra lässt sich im Yoga auch als inneres Feld lesen. Es ist das Spannungsfeld in uns selbst – zwischen Klarheit und Verwirrung, zwischen Ego und innerer Wahrheit, zwischen Angst und Vertrauen. Arjuna steht nicht nur einem äußeren Konflikt gegenüber, sondern einem inneren.

Die richtige Haltung finden

Und Krishna fordert ihn nicht dazu auf, gefühllos zu werden. Er fordert ihn auf, bewusst zu werden. Nicht aus Hass, nicht aus Ehrgeiz, nicht aus Angst soll Arjuna handeln, sondern aus einer inneren Klarheit heraus, die über diese Bewegungen hinausgeht. Die eigentliche Frage ist nicht nur, was getan wird, sondern aus welcher Haltung heraus es geschieht.

Gerade hier liegt die Herausforderung. Denn ein Gleichmut, der nicht durch Mitgefühl gegangen ist, wird leicht zu Distanz. Eine Klarheit ohne Herz kann kalt werden. Deshalb ist es so wesentlich, was auch von vielen Auslegern betont wird: Bevor wir die Unverletzbarkeit des Atman verstehen können, müssen wir lernen, verletzbar und sensibel zu sein. Erst wenn wir wirklich berührbar bleiben, entfaltet diese Lehre ihre Tiefe. Dann führt sie nicht weg vom Mitgefühl, sondern tiefer hinein. Wenn ich erkenne, dass der andere nicht getrennt von mir ist, dann verändert sich auch mein Handeln. Dann stellt sich nicht mehr die Frage, ob ich darf, sondern wie ich überhaupt könnte, ohne diese Verbindung zu verletzen (mehr dazu auch im Beitrag „Das Prinzip des Dharma in der indischen Kultur„).

Was die Bhagavadgita mit Ostern zu tun hat

In diesen Tagen erinnert auch der Kreuzweg daran, dass wahre Stärke nicht in Unberührbarkeit liegt, sondern in der Bereitschaft, sich dem Leben auszusetzen. Dort zeigt sich eine Spiritualität, die nicht verhärtet, sondern öffnet. Eine Haltung, die nicht trennt, sondern verbindet.

Und vielleicht berühren sich hier die Botschaft von Ostern und die tiefere Dimension des Yoga. Spirituelles Erwachen führt nicht in eine emotionale Taubheit und auch nicht in eine spirituelle Gleichgültigkeit. Es führt in eine größere Wachheit – für das eigene Leben und für das Leben der anderen.

Jimi Hendrix hat diese Entscheidung einmal in einen einfachen Satz gefasst: „Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, wird die Welt Frieden finden.“ Das ist keine naive Hoffnung, sondern eine konkrete innere Ausrichtung: Die Liebe zur Macht baut Panzer um das Herz. Die Macht der Liebe hingegen öffnet. Sie macht uns nicht schwach, sondern wach.

So wird Ostern für uns bei be yogi mehr als ein Frühlingsfest. Es erinnert uns daran, dass Leben nicht durch Härte gewinnt, sondern durch Hingabe (vgl. auch Bhakti Yoga). Nicht durch Abgrenzung, sondern durch Verbindung. Nicht durch Kontrolle, sondern durch Bewusstheit.

Am Ende lädt die Bhagavadgita uns ein: „Sei ein Yogi.“

Vielleicht bedeutet das heute, den eigenen Panzer zu durchbrechen, statt ihn weiter zu verstärken. Die eigene Praxis nicht zu nutzen, um sich von der Welt abzuwenden, sondern um sensibler zu werden – für das Schöne, für das Wahre und auch für das, was Heilung braucht. Sich im anderen wiederzuerkennen. Und die Zerbrechlichkeit des Lebens nicht zu verdrängen, sondern zu ehren. Denn nur wer fähig ist zu fühlen und zu trauern, versteht vielleicht wirklich, was Unsterblichkeit bedeutet.

In diesem Sinne wünschen wir dir ein Osterfest voller Licht, Mitgefühl und echter Verbindung. Namaste und frohe Ostern, dein Team von be yogi Karlsruhe

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Lesetipp: In diesem Beitrag ging es unter anderem um: Affirmationen & Intensionen, Gemeinschaft, Liebe und Beziehungen, Lifestyle, Philosophie, Saisonale Themen, Selbstentwicklung – mehr zu den Themen erfährst du, indem du einfach auf das Wort klickst.
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Ulla Fröhlich-Strauß
Ulla ist Gründerin von be yogi, leidenschaftliche Yoga-Lehrerin (500h), Glücks-Coach und Mutter. Mit ihrem bunten Erfahrungsmix aus 30 Jahren Medienmanagement, Meditation in Bewegung sowie der Tri-Power-Coach-Ausbildung begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zu mehr Leichtigkeit, Klarheit und Freude. In ihren Glückscoachings nach der be yogi Methode verbindet sie Yoga, Psychologie und systemisches Coaching – immer mit dem tiefen Glauben, dass jeder bereits alles in sich trägt, um sein volles Potenzial zu entfalten. Als Teil des be yogi Ausbildungsteams gibt Ulla ihr Wissen an künftige Yoga-Lehrer:innen weiter und genießt privat die Zeit mit ihrer Familie sowie ihren vierbeinigen Freunden.

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