Ich arbeite nicht nur für be yogi ständig zu Hause am Rechner, sondern habe noch einen anderen Beruf, bei dem ich ebenfalls viel Zeit am Bildschirm verbringe und immer wieder im Home Office bin. In meiner Wohnung gibt es kein Arbeitszimmer – der Rechner steht auf meinem Schreib-Ess-Bastel-Arbeits-Tisch im Wohn-Büro-Speise-Yoga-Fernseh-Zimmer. Hier haben sich in den letzten Jahren die Grenzen aufgeweicht.
Das gilt aber auch für die Konzepte des Ayurveda: Viele Routinen, die wir zur Aufrechterhaltung unserer Gesundheit nutzen, lassen sich auch auf unsere berufliche Produktivität, Effizienz und Kreativität übertragen. Deswegen habe ich hier ein paar allgemeine Richtlinien für das „yogische“ Home Office gesammelt, die unabhängig von deinem Dosha-Typ hilfreich sein können.
Ein erster Schritt: Impulsfragen zum Home Office
Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die im Büro gut funktionieren, können in einer veränderten Arbeitsumgebung – also in den eigenen vier Wänden – plötzlich unpraktisch werden. Die besten Lösungen findest du, wenn du dir einmal die Zeit nimmst, deine eigenen Bedürfnisse zu ergründen. Beobachte dafür ein paar Tage lang aufmerksam, wie du im Home Office und an deinen Tagen im Büro arbeitest. Es geht nicht darum, dich selbst zu kritisieren, sondern als stille:r Beobachter:in eine Bestandsaufnahme zu machen. Folgende Fragen können dir dabei helfen:
- Sind deine Tage einheitlich strukturiert? Sind Anfangs- und Endzeiten sowie deine Pausen planbar?
- Fühlt sich dein Arbeitsablauf natürlich an oder hast du das Gefühl, immer wieder ins Stocken zu geraten?
- Planst und strukturierst du deine Aufgaben oder erledigst du sie eher spontan und auf Zuruf?
- Wie viel Flexibilität bietet dir dein Arbeitsplatz? Könntest du deinen Tagesablauf verändern?
- Bleibt deine Energie bei der Arbeit konstant oder schwankt sie? Gibt es bestimmte Zeiten, zu denen sie besonders hoch oder niedrig ist?
- Wie verändert sich deine Stimmung im Laufe des Tages? Erkennst du wiederkehrende Muster?
- Kannst du dich gut konzentrieren oder lässt du dich immer wieder ablenken? Erkennst du auch hier bestimmte „Spitzen“?
- Kannst du kreativ denken oder fühlen sich deine Gedanken blockiert an? Wann bist du am kreativsten und wann am wenigsten?
Auf Basis deiner Erkenntnisse kannst du nun Prozesse und Bereiche identifizieren, die für dich besonders gut funktionieren, und solche, die eine Veränderung brauchen. Diese Punkte kannst du nun Schritt für Schritt angehen, einen nach dem anderen. Veränderungen können schwierig sein, selbst wenn wir sie willkommen heißen – vor allem, wenn sie auch andere Personen betreffen. Wenn du sie so umsetzt, dass sie überschaubar und realistisch bleiben, fällt es leichter, sie tatsächlich langfristig zu integrieren.
Ayurvedische Routinen für bessere Konzentration und Kreativität
Wie die Chronobiologie-Forschung nachgewiesen hat, folgen die verschiedenen Funktionen von Körper und Geist einer durch das Licht vorgegebenen Rhythmik. Diese innere Uhr zeigt uns, wie relevant das „Wann“ unserer Handlungen sein kann. Wenn ich die innere Uhr aus Sicht des Ayurveda auf einen typischen Büro-Arbeistalltag übertrage, ergibt sich folgende Zeiteinteilung. Natürlich kann auch ich mich nicht immer daran halten, gerade wenn Kolleg:innen oder Partner:innen involviert sind. Aber wann immer es möglich ist, orientiere ich mich daran und merke, dass es meiner Effizienz und Effektivität guttut.
- 6 – 10 Uhr: Stabilität, Erdung und Ruhe von Kapha. Zeit für Aufgaben, die geistige Ausdauer und einen ruhigen Geist erfordern. Routine-Jobs und Recherchen.
- 10 – 14 Uhr: Intelligenz und Schärfe von Pitta. Zeit für Aufgaben, die Denkfähigkeit, Gedächtnis und Problemlösung erfordern. Planung und Verhandlungen.
- 14 – 18 Uhr: Leichtigkeit und Agilität von Vata. Zeit für kreative Aufgaben und Kontakt zu andern. Brainstorming und Team-Meetings.
Zum Weiterlesen: Acht praktische Ayurveda-Tipps für deinen Arbeitsalltag – egal, ob im Büro oder im Home Office.
Mit Vastu Shastra dein Home Office optimieren
Vastu Shastra, die vedische Lehre vom richtigen Wohnen, dient dazu, unsere Arbeits- und Lebensräume mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur in Einklang zu bringen. Ähnlich wie Feng Shui nutzt Vastu Shastra u.a. die Raumanordnung und -aufteilung, Materialien und Farben, um ein Gleichgewicht der Energien zu schaffen, und damit eine Umgebung, die die jeweilige Nutzung eines Raums unterstützt.
Hier ein paar Tipps, die keinen großen Umbau erfordern:
- Für eine bessere Konzentration verwende wärmere, erdige Farbtöne und bevorzuge matte statt glänzende Oberflächen. Größere Möbel, die Erdung und Stabilität ausstrahlen, und warme, matte Metalle wie Kupfer, Messing oder Bronze können hilfreich sein.
- Für mehr Kreativität solltest du möglichst viel Licht und bewegliche Elemente in deine Räume einladen. Verwende dafür z.B. Silber, Edelstahl und Himmelsfarben. Auch Licht-reflektierende Oberflächen wie Spiegel oder Glas, offene Raumkonzepte und leichte Möbel bringen Leichtigkeit und ermöglichen einen Flow.
- Für anhaltende Energie setze bei bei Tischen, Teppichen, Rahmen oder anderen Dekorationsgegenständen eher auf Quadrate oder Dreiecke um klare Grenzen zu setzen. Vermeide außerdem eine Arbeitsfläche aus Glas, da sie es schwieriger macht, Gedanken oder Ideen festzuhalten. Holz oder Metall fühlen sich wahrscheinlich besser an.
Wenn du deine individuellen Bedürfnisse bei der Arbeit kennst, deinen Tagesrhythmus an der ayurvedischen Uhr ausrichtest und eine Arbeitsumgebung schaffst, die sich für dich förderlich anfühlt, kann das deinen Alltag im Home Office spürbar verändern – und dazu beitragen, dass sich deine Arbeit nachhaltiger, ausgeglichener und erfolgreicher anfühlt.
In diesem Sinne wünsche ich dir einen schönen Start in die nächste Arbeitswoche.
PS: Häufig ist die Zeiteinteilung im Home Office ein bisschen flexibler. Nutze doch einmal so einen Tag, um eine der Vormittagsklassen um 10 Uhr bei uns im Studio zu besuchen oder einfach Online von zuhause aus teilzunehmen.
