Yoga ohne rosarote Brille: Wie wir Yoga-Ausbildung neu denken

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Was muss eine Yoga-Lehrerin oder ein Yoga-Lehrer heute eigentlich können?

Asanas sicher anleiten, Anatomie verstehen, Stunden sinnvoll aufbauen und die philosophischen Grundlagen des Yoga kennen – all das gehört für uns dazu. Gleichzeitig leben und unterrichten wir Yoga heute in einer Welt voller Bewegung, neuer Erkenntnisse und gesellschaftlicher Veränderungen. Menschen bringen unterschiedliche Körper, Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten mit auf die Matte, während sich auch unser Wissen über Anatomie, das Nervensystem, pädagogische Ansätze und Gruppendynamik stetig erweitert.

Darin sehen wir eine große Chance: Yoga kann tief in seiner Tradition verwurzelt bleiben und sich gleichzeitig lebendig weiterentwickeln.

Yoga ist ein selbstkorrigierender Mechanismus, der unendliche Möglichkeiten eröffnet.

Dieses „moderne Patanjali-Zitat“ prägt mein Verständnis von Yoga und Bildung und damit auch den Ausbildungsweg von be yogi. Als Betriebswirtin, Unternehmerin und Yoga-Lehrerin bringe ich Perspektiven zusammen, die auf den ersten Blick aus unterschiedlichen Welten stammen. Für mich gehören sie längst zusammen: Überliefertes Wissen, persönliche Erfahrung und neue Erkenntnisse treten miteinander in Beziehung und eröffnen immer wieder neue Perspektiven auf die Frage, was Yoga in unserer Zeit bedeuten kann.

Genau das meinen wir mit „Yoga ohne rosarote Brille“: Yoga mit offenen Augen und tiefen Wurzeln, philosophisch fundiert und wissenschaftlich interessiert, traditionsbewusst und kreativ, persönlich und sozial. Und diese Haltung prägt auch unsere Vorstellung davon, wie wir Yoga-Lehrer:innen ausbilden.

200 + 300 Stunden Yoga-Ausbildungen bei be yogi

Mit unserer 200h-Grundausbildung legst du dein Fundament. Du kannst zum Beispiel mit der 16-tägigen Intensivausbildung starten und tief in die unterschiedlichen Ebenen des Yoga eintauchen. Anatomie und Physiologie, Asana und Alignment, Atem und Meditation, Philosophie, Ayurveda und Unterrichtsmethodik verbinden sich dabei Schritt für Schritt zu einem Gesamtbild.

Von Beginn an geht es auch ums Unterrichten. Unsere Asana-Karten begleiten dich als Teaching Tool sicher durch die Ausbildung. Du leitest Asanas an, entwickelst deine Sprache, probierst Cues aus, beobachtest, bekommst Feedback und entwickelst deinen Unterricht weiter. Aus einzelnen Asanas entstehen Sequenzen und daraus vollständige Klassen.

So wachsen Wissen, eigene Praxis und Lehrerfahrung miteinander. Du lernst Yoga, erfährst Yoga und lernst gleichzeitig, andere Menschen kompetent durch ihre eigene Praxis zu begleiten. Und dein Weg geht noch weiter: Mit unserer 300h-Weiterbildung zur/zum Advanced Hatha & Vinyasa-Yogalehrer:in vertiefst du deine Reise bei be yogi. Lass dich im Mentorship begleiten, tauche ein in Meditation, Personal- sowie Social-Yoga und entfalte dein volles Potenzial als Lehrende:r.

Die Vision dahinter nennen wir gerne unsere Yoga-Uni“.

Damit meinen wir einen aufeinander aufbauenden Bildungsweg rund um Yoga, der Menschen über Jahre begleiten kann. Lernen, praktizieren, unterrichten und reflektieren greifen ineinander, während sich mit wachsender Erfahrung immer neue Fragen und Möglichkeiten eröffnen.

Diese Vorstellung von Bildung führt für uns unmittelbar zu einer weiteren Frage: Wer bekommt Zugang dazu?

Förderung schafft Zugang und stärkt den Beruf

Eine fundierte Yogalehrerausbildung verlangt Zeit, Engagement und eine finanzielle Investition. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren viel Arbeit darin investiert, unseren Ausbildungsweg mit den Strukturen beruflicher Weiterbildung zu verbinden. Heute können unsere Teilnehmer:innen – abhängig von Ausbildung und persönlichen Voraussetzungen – Bildungszeit bzw. Bildungsurlaub, die Fachkursförderung des ESF Plus Baden-Württemberg und den Bildungsgutschein nutzen. Der Bildungsgutschein steht derzeit für unsere 200h-Ausbildung zur Verfügung; für die +300h-Weiterbildung befindet sich diese Fördermöglichkeit aktuell in Prüfung.

Natürlich können diese Instrumente ganz konkret die finanzielle Belastung reduzieren und Freiräume für Weiterbildung schaffen. Für uns steckt darin gleichzeitig eine größere Idee, denn öffentliche Weiterbildungsförderung verbindet Zugänglichkeit mit Anforderungen an Bildungsträger, Curricula, Qualität und berufliche Qualifizierung.

Damit zahlt auch die Förderung direkt auf unsere Vision einer Yoga-Uni ein: Wir möchten dazu beitragen, Yoga als gesellschaftlich relevante Bildungsleistung zu etablieren und das professionelle Berufsbild von Yoga-Lehrer:innen nachhaltig zu stärken. Yoga-Lehrer:in zählt in Deutschland zu den freien Berufsbezeichnungen. Umso wichtiger finden wir nachvollziehbare Qualitätsstandards: fundierte Curricula, klare Lernziele, qualifizierte Lehrende, viel praktische Unterrichtserfahrung, Feedback und Prüfungen sowie die Möglichkeit, die eigene Qualifikation über die ersten 200 Stunden hinaus kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Zugang und Qualität gehören für uns dabei zusammen. Und vielleicht zeigt sich schon an dieser Stelle etwas, das auch unsere inhaltliche Arbeit prägt: Wir interessieren uns für das Und.

Was wäre, wenn der Widerspruch ein Rohstoff ist?

Yoga verbinden viele Menschen mit Harmonie und Balance. Gleichzeitig begegnen uns in seiner Philosophie immer wieder Pole, die miteinander in Beziehung stehen. Abhyasa und Vairagya: konsequent üben und loslassen. Sthira und Sukha: Stabilität und Leichtigkeit. Die eigene Wahrnehmung und die Verbindung mit anderen. Struktur und Freiheit. Tradition und Weiterentwicklung. Gerade diese Spannungsfelder machen die Yoga-Philosophie für uns heute so interessant.

Einen verwandten Gedanken finden wir in der modernen Forschung zum Paradox Mindset. Prof. Stephanie Schrage beschäftigt sich damit, wie Menschen widersprüchliche Anforderungen produktiv nutzen können. Wer mehrere Pole gleichzeitig im Blick behält, kann Spannungen als Ausgangspunkt für neue Ideen und Handlungsmöglichkeiten erleben.

Was wäre also, wenn der Widerspruch unser Rohstoff wäre?

Diese Frage verbindet für uns moderne Forschung mit Gedanken, die uns auch in der Yogaphilosophie begegnen. Sie führt gleichzeitig zu einem weiteren wichtigen Einfluss auf unser Verständnis von Bildung: der Arbeit von Otto Scharmer.

Scharmer unterscheidet in seiner Theory U zwischen dem Wiederholen bestehender Muster und einer Handlungsfähigkeit, aus der neue Muster entstehen können – zwischen pattern-repeating und pattern-originating agency. Für uns steckt darin eine spannende Bildungsfrage: Wie lernen wir so, dass wir Bekanntes verstehen und gleichzeitig offen genug bleiben, um neue Möglichkeiten zu entdecken?

Diese Frage begleitet auch unseren Weg entlang des klassischen achtgliedrigen Pfades.

Der achtgliedrige Pfad aus der Perspektive von Social Yoga

Aus solchen Fragen entwickelt sich bei be yogi die Perspektive des Social Yoga. Sie richtet die Aufmerksamkeit auf Yoga als soziale Praxis: Jede Person praktiziert auf ihrer eigenen Matte und gleichzeitig teilen wir einen Raum, nehmen einander wahr und erleben Bewegung, Atem, Tempo, Nähe und Atmosphäre in einem gemeinsamen Raum. So können wir erforschen, wie Eigenständigkeit und Verbundenheit gleichzeitig ihren Platz finden – schon wieder ein scheinbarer Widerspruch, der neue Möglichkeiten eröffnet.

Hier trifft Social Yoga auf einen Gedanken Otto Scharmers, der Ulla schon lange in ihrer Arbeit als Unternehmerin und in ihrem Verständnis von Bildung inspiriert. Scharmer spricht vom „social soil“, dem sozialen Boden, aus dem gemeinsames Handeln wächst, und richtet den Blick besonders auf die Qualität unserer Aufmerksamkeit und Beziehungen.

Auf der Yoga-Matte wird dieser Gedanke unmittelbar erfahrbar: Wie nehme ich mich selbst wahr und bleibe gleichzeitig offen für den gemeinsamen Raum? Wie finde ich meinen eigenen Rhythmus und übe darin, während ich Teil einer Gruppe bin?

Für angehende Yoga-Lehrer:innen entstehen daraus konkrete Kompetenzen. Sie lernen, Orientierung und Wahlmöglichkeiten anzubieten, Struktur und Freiraum zu verbinden und einzelne Menschen ebenso wie die Gruppe wahrzunehmen. Fachwissen, Didaktik und persönliche Präsenz greifen dabei ineinander.

Scharmer verbindet die Qualität unserer Aufmerksamkeit schließlich mit zwei einfachen Fragen: „What is mine to do? What is ours to do?“ – Was ist meine Aufgabe? Und was ist unsere Aufgabe? Sie beschreiben für uns sehr schön, warum wir Yoga zugleich als persönliche und soziale Praxis verstehen – und führen direkt zu der Frage, welche Verantwortung wir als Yogalehrer:innen übernehmen.

Yoga bleibt in Bewegung

Auf der Matte beginnt dieser Weg bei mir: bei meinem Körper, meiner Wahrnehmung und meinen Entscheidungen. Als Yoga-Lehrer:in erweitert sich die Perspektive auf die Menschen, mit denen ich praktiziere, und auf den Raum, den ich für gemeinsames Lernen gestalte.

Genau darin liegt für uns die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Perspektiven unseres Ausbildungswegs. Patanjali trifft auf moderne Forschung, Anatomie auf Philosophie, individuelle Praxis auf Social Yoga und Yoga auf Bildung und Unternehmertum. Aus diesen Verbindungen entstehen neue Fragen, Erfahrungen und Möglichkeiten – und damit entwickelt sich auch unser Verständnis von Yoga immer weiter.

Yoga ohne rosarote Brille heißt für uns deshalb vor allem: mit offenen Augen und tiefen Wurzeln den Mut haben, den eigenen Weg zu gehen.

Avatar von Ulla Fröhlich-Strauß

PS: Hier findest du weitere Infos unter anderem zum Gendern, deiner (gesundheitlichen) Selbstverantwortung & unserem Partnerprogramm.